Der 29. Juni 2007 hat das Leben von vielen Millionen Menschan nachhaltig verändert. Kein politischer Umbruch fand an diesem Tag statt, vielmehr hat Apple sein iPhone der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Damit begann eine neue Ära für uns – privat und beruflich.

Lange Zeit hatten die Mobilfunkbetreiber damals auf die eine „Killerapplikation“ gewartet. Vile Geld floss in die Funklizenzen und es war nicht klar, ob sich das rechnen würde. Dann kam das iPhone. Der Rest ist Geschichte. Das Smartphone ermöglichte plötzlich einen neuen Zugang und Umgang zu Information. Es ist der Inbegriff der Vernetzung von Menschen untereinander, und mit Maschinen. Wobei der Begriff Maschinen immer umfassender verwendet wird – vom Sportarmband über PC, Kameras, Fernseher, Alarmanlage, dem Auto bis zu wirklichen Arbeitsmaschinen.

Aber nicht nur diese technischen Machbarkeiten haben sich verändert, auch unser Leben – also die „soft facts“ – sind heute ganz andere als in der Pre-Smartphone-Zeit.

Nehmen wir als einfaches Beispiel das formale Wissen. Das ist heute deutlich unwichtiger als früher. Einfach deshalb, weil der Zugang zur Information globalisiert und mobilisiert wurde. Wenn man heute mit Freunden zusammen sitzt und über den neuesten Film diskutiert, dann greifen gleich ein paar Leute zum Smartphone und haben innerhalb von Sekunden alle Details parat. Oder stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Meeting und ein Experte erzählt Ihnen etwas über eine neue Technologie. Ohne dass Sie dieses Thema schon einmal gehört oder gelesen haben, greifen Sie unter dem Tisch zum Smartphone, geben ein paar Suchbegriffe ein, und finden einen Fehler in der Aussage des Experten.

Was bewirkt dieser allgegenwärtiger Zugang zu Information? Ich denke, dass dadurch eine große Demokratisierung ermöglicht wird. Das Wissen von hochgebildeten Fachleuten wird weiterhin wichtig sein, aber diese nicht mehr automatisch in den Olymp heben. Vielmehr hat jeder die Möglichkeit, etwa Krankheitssymptome zu recherchieren und die Aussagen eines Arztes besser zu verstehen. Umgekehrt müssen Spezialisten ihr Fachwissen vermehrt Prüfungen durch Laien unterziehen lassen. Un ebensolche Laien können Gefahr laufen, durch falsche Informationen unrichtige Schlüsse zu ziehen. Demokratisierung heisst auch, dass jeder Information bereitstellen kann, auch wenn sie Unsinn ist.

Die elitäre und einflussreiche Gruppe von „Wissenden“ ist es auch, welche die größten Bedenken gegenüber der Digitalisierung hat. Das ist verständlich. Schließlich sind sie es die etwas zu verlieren haben, während die große Masse etwas gewinnt (eben Demokratisierung). Dieses Verhalten ist nicht neu in der Geschichte der Menschheit. Die päpstliche Angst vor Machtverlust etwa war seinerzeit der wahre Grund für die Ablehnung des Buchdrucks – und die damit einher gehende Alphabetisierung des gemeinen Volks.

Es ist also nicht die Ursache eines Wandels, der in den Menschen Angst auslöst. Es ist der Wandel an sich. Bisher sind stets alle Prognosen, dass eine neue Technologie ein Jobkiller sei, nicht eingetreten. Im Gegenteil. Heute arbeiten wesentlich mehr Menschen in der Computer-Branche als vorausgesagt wurde, dass diese zerstören werde. Und bei der Digitalisierung wird es wieder so sein. Es werden Branchen und Berufsbilder entstehen die bisher nicht bekannt oder unmöglich waren. Die Frage wird eher sein, ob die Menschen – als Arbeitnehmer wie auch als Privatmenschen – damit umgehen können. Weil das größte Problem, das durch die Digitalisierung auf uns Menschen zugekommen ist, das ist die Geschwindigkeit der Veränderungen.

Die Dampfmaschine benötigte noch viele Jahrzehnte, bis sie einigermaßen global verfügbar war. Neue Dienstleistungen wie facebook benötigen gerade einmal ein paar Jahre bis sie eine Milliarde User haben. Es wird also immer weniger wichtig, formales in der Schule gelerntes Fachwissen zu haben. Entscheidender ist, dass man den Umgang mit den neuen Technologien lernt. Und diese wird sich innerhalb einer Generation mehrmals völlig ändern. Das gelingt nur jemanden mit einer soliden Grundausbildung und permanenter Weiterbildung. Oder noch besser: Neugier.

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